Looden - U-Bootgeschichte

Topfoto © Hans Albert Ulmer

Bildnachweis:
Foto Urheber gem. 7 Urh G: Albertus Looden (Mit freundl. Genehmigung für www.seefahrtsfreunde.de)

M/S " HAGEN "
Mehrzweck Frachter der Hapag Lloyd AG . In der Westindien / Mittelamerika Fahrt.
Baujahr : 1967 Nordseewerke Emden.

USS " TULLIBEE "
Amerikanisches Atom - U Boot

Im Juni 1972 musterten Ingrid als Stewardess und ich als Zimmermann auf der "Hagen" in Hamburg an.Die Reise ging in die Karibik und die Ostküste Zentralamerikas.
Im Oktober 72 war die Hagen, von Mexiko komment, auf Heimreise. Der letzte Ladehafen
war Morehead City ( North Carolina.)
Am 05. Oktober um 0900 h war die Hagen seeklar und wir liefen aus Morehead City aus. Es war ein ganz normaler Seetag , Wind NE 4-5.
In den Morgenstunden des 06. Oktobers brieste es ordentlich auf , NE 8-9 in Böen 10. Wellenhöhe ca. 10 m. Die Geschwindigkeit wurde auf 14 kn reduziert. Die Hagen stampfte in
schwerer See .Um 0800h übernahm der 2.2. Offz..die Wache.
Um 0815h meldete der OA, dem 2.Offz.in 4 Strich an Stb, eine Tonne. Der Zweite zeigt ihm einen Vogel: " Hier, mitten auf dem Atlantik, gibt es keine Tonnen ." Kaum hatte er das ausgesprochen, sahen beide den Turm von einem U Boot. Ein paar Sekunden später war es wieder abgetaucht.Fast zeitgleich fiel die Hagen in ein Wellental, und dann war es passiert: wir waren mit dem getauchten U Boot kollidiert. Position 150 sm östlich Cap Hatteras.
Der 2. Offz lies sofort die Maschine stoppen. Kapitän und 1 Offz . kamen auf die Brücke
Der 2. Offz. berichtete, aber man wollte ihm nicht so recht glauben. Es wurde aber trotzdem
beschlossen, die Räume und die Bilgen zu kontrolieren. Wegen der überkommenden Seen war an Raumbilge peilen nicht zu denken. Die Einstiegluke von Raum 2 wurde geöffnet, und wir trauten unseren Augen nicht: das Wasser schwabbte in der Luke hin und her, die Luke war abgesoffen. Die Luken 1 und 3 waren, Gott sei Dank, trocken. Wir trieben gestoppt in schwerer See.Der Funker bekam die Order SOS zu senden, 1,5 h später kreisten die ersten Suchflugzeuge der Coast Guard über uns.. Auf Stb Seite trieb ein großer Ölteppich , wir nahmen an, daß das U Boot gesunken sei, weil er sich nicht meldete.
Später mussten wir feststellen das es unser Öl war, denn durch die Kollission war einer unserer Doppelbodentanks, im Bereich der Luke 2 beschädigt worden..Die Hagen lag jetzt, wegen des Wassereinbruchs.ca. 1m auf den Kopf. Die Mannschaft wurde in den Salon beordert und vom 1.Offz. über die Situation aufgeklärt: Das Schiff war bei dieser Beladung und einer Luke voll Wasser noch weiterhin schwimmfähig .Nach dieser Information waren wir alle sehr erleichtert.. Eine Funkverbindung zu dem Atom U Boot konnte nicht hergestellt werden. Später erfuhren wir, das es Kurs auf Bosten genommen hatte , und das der Kommandant dort sofort abgelöst wurde..Wir drehten jetzt unser havariertes Schiff, bei dem Manöver lagen wir eine zeitlang quer in der See, wegen der freien Oberflächen in Luke 2 holte das Schiff zeitweise bis zu 45 über.
Wir nahmen Kurs auf Newport News ( Virginia ) wo wir nach einer schlaflosen Nacht, am 07.Oktober um 1100h einliefen: Die U.S. Navy übernahm sofort den gesamten Schaden mit allen Folgen, unter strengster Geheimhaltung.
Zwei Tage später sollte die " Hagen " nach Baltimore in die Werft verholen. Für die
Überführung entschied der Kapitän und Versicherung , das die Passagiere, mitfahrende
Ehefrauen und Stewardessen auf dem Landwege mit einem Bus nach Baltimore gebracht
werden sollten. Bei dieser Busfahrt platzte auf der Autobahn ein Reifen, und der Bus mit unseren Frauen kam kurz vor einem 20m tiefen Abgrund zum Stehen. Am nächsten Tag kamen die Frauen mit schlotternden Knien wieder an Bord. Nochmal GLÜCK gehabt!!

Text: Albertus Looden